Die Abtei Santa Maria delle Carceri ist einer der bedeutendsten historischen und religiösen Komplexe der Bassa Padovana, mit einer Geschichte, die über tausend Jahre Wandel des Territoriums und der Gesellschaft umfasst.
In der Antike war das Gebiet südlich der Euganeischen Hügel sumpfig und kaum besiedelt. Nach den römischen Entwässerungsmaßnahmen und dem anschließenden Zusammenbruch des Imperiums wurde es durch barbarische Invasionen, klimatische Veränderungen und häufige Überschwemmungen wieder unbewohnbar. Um das Jahr 1000 ließen sich die Augustinerkanoniker der Kollegiatkirche Santa Tecla in Este in Carceri nieder und begannen mit der Entwässerung und Wiederherstellung des Territoriums. So entstand ein wichtiges Kloster, das von Bischöfen und lokalen Gemeinschaften unterstützt wurde und zu einem Zentrum für Hilfe, Arbeit und landwirtschaftliche Entwicklung wurde.
Im 14. Jahrhundert geriet der Komplex aufgrund von Kriegen, Pest und wirtschaftlichen Schwierigkeiten in eine Krise, bis es zu einer Phase der teilweisen Aufgabe kam. 1408 markierte die Ankunft der Kamaldulenser ein neues Goldenes Zeitalter: Die Abtei wurde 1427 in diesen Rang erhoben und bereicherte sich um Klöster, Bibliothek, Schule, Gästehaus und Produktionsstätten. Das Kloster wurde selbsttragend und zu einem kulturellen und spirituellen Zentrum von großer Bedeutung.
Ab dem 17. Jahrhundert begann der Niedergang, der durch Brände sowie politische und wirtschaftliche Schwierigkeiten verschärft wurde, bis zur Aufhebung von 1690, die von Papst Alexander VIII. veranlasst wurde. Die Besitztümer wurden zerstreut und der Komplex an die Grafen Carminati verkauft, die ihn schrittweise in einen landwirtschaftlichen Betrieb umwandelten und dabei viele monastische Strukturen verloren gingen.
1950 ging die Abtei an die Pfarrei Carceri, was eine neue Phase der Wiederherstellung und Aufwertung einleitete. Heute ist der Komplex ein Ort des Glaubens, der Kultur und der Gastfreundschaft, mit Museum, Besuchsräumen und spirituellen Aktivitäten, und stellt ein lebendiges Zeugnis der religiösen und sozialen Geschichte des Gebiets dar.