Der Campiello di Este ist ein kleines historisches Viertel, das sich in der Nähe der ehemaligen Kirche San Michele befindet. In der städtischen Erinnerung wird es als das “Ghetto der Juden” bezeichnet, da es zwischen 1665 und 1770 die lokale jüdische Gemeinde beherbergte, die aufgrund einer Anordnung der Republik Venedig in einem geschlossenen Viertel zwischen den Mauern und dem Kanal Bisatto eingekesselt wurde.
Der Bereich, der von sozialem Wohnungsbau geprägt ist, entwickelte sich allmählich im 16. bis 18. Jahrhundert und wurde zu einem wichtigen Durchgangs- und Anlegepunkt am Kanal. Er bewahrt noch bedeutende historische Zeugnisse, wie die Gebäude, die auf den Bisatto blicken, Spuren alter Arkaden und die Nähe zur Kirche San Michele und zum Palazzo Barbarigo.
Nach dem Verschwinden der jüdischen Gemeinde, wahrscheinlich in der napoleonischen Zeit, wurde das Viertel von armen Familien bewohnt, sodass es als “Ghetto des Elends” in Erinnerung bleibt. 1976 führte der Einsturz eines Teils der historischen Gebäude zur Abriß eines Großteils des ursprünglichen Komplexes.
Heute stellt der Campiello ein kostbares Zeugnis der sozialen, urbanen und multikulturellen Geschichte von Este dar, das sowohl mit der jüdischen Präsenz als auch mit der Entwicklung der Arbeiterviertel der Stadt verbunden ist.